Der Wilde Westen – The Never Ending Story

Hast du dich schon einmal gefragt, auf wieviele verschiedene Arten sich die Zahl ‚Drei‘ mit den Fingern einer Hand darstellen lässt? Natürlich nicht, keiner stellt sich diese dämliche Frage. Wozu auch?

Aber hier kommt das Interessante: Wenn du dieses hier lesen kannst, sprichst du deutsch und benutzt für die Drei den Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger.

Das machst du so, weil Muddi es dir so beigebracht hat und alle anderen es auch so tun.truck shadow

Wenn du allerdings dieses hier nur mit Google Translate oder einen seiner Freunde lesen kannst, dann bist du vielleicht Nordamerikaner und Muddi hat dir was anderes beigebracht: Für die Drei benutze Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Den kleinen Finger – im Englischen Pinkie – klemmst du dabei unter den Daumen, weil du sonst eine Vier zeigen würdest. Es gibt eine Variante: Zeige die Drei mit Mittelfinger, Ringfinger, kleinem Finger, und klemme entsprechend den Zeigefinger mit dem Daumen ein. Niemals aber würdest du als Nordamerikaner den Daumen benutzen, um Zahlen zwischen Eins und Vier darzustellen.

Warum? Keine Ahnung.

tipis

‚Wieviele werden noch kommen?‘ – ‚Soviele wie die Sterne.‘ – Tipis der Cheyenne am Little Big Horn.

Aber wo wollten wir eigentlich hin? Ach ja, der Wilde Westen.

Wir wohnen mittendrin. Vor 200 Jahren gab es hier nix, was darauf schließen lassen könnte, dass es acht Zeitzonen weiter östlich Menschen gibt, die mit Messer und Gabel in der Hand ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Fährst du heute in Alberta durch eine kleinere Ortschaft mit weniger als tausend Einwohnern, denkst dir die Stromleitungen inklusive der Neon-Reklame an dem Convenience-Store weg, denkst dir die am Straßenrand geparkten Autos weg, blendest das Geknatter eines irgendwo in der Ferne arbeitenden Rasenmähers aus – du könntest glatt auf die Idee kommen, durch ein authentisches Western-Städtchen des 19-ten Jahrhunderts zu rollen. Wenn du auf der Suche nach dem Wilden Westen bist, brauchst du nicht in eine der herausgeputzten Ghost-Towns deine Dollars verschwenden. Viele originale Holz-Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert stehen in ganz normalen Ortschaften herum, verwahrlost und ohne dichtes Dach zwar, aber immer noch da. Kein Grund die alten Dinger abzureißen.

Genügend Platz weit und breit, um direkt daneben ein neues Haus zu bauen.

Wer durch deutsche Städte geht, findet ziemlich verlässlich altes Fachwerk. Mit Inschriften aus Jahrhunderten, die weit zurück ins Mittelalter reichen. Den Westen Nordamerikas gibt es in dem Sinne erst seit gut 150 Jahren. Kein Wunder also, dass sich ohne viel Gesuche Spuren aus dieser Zeit finden lassen. Vom fahrenden Auto aus siehst du sowas allerdings nicht; da siehst du nur das, was du sehen sollst und was Dollars kostet. Den Wilden Westen – oder besser, was davon noch übrig ist – erlebst du nur zu Fuß. Du musst nicht wie Forest Gump durch den gesamten Kontinent laufen. Es reicht das Auto abzustellen und für eine Stunde oder so einfach mal loszulaufen. Du läufst Gefahr, dass Zeitgenossen anhalten, das Fenster runterfahren und dich fragen, ob du Hilfe brauchst. Aber das geht dir irgendwann, naja, sagen wir mal … am Fuß vorbei.

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Schienenstränge, tausende von Meilen ohne eine einzige Kurve, wurden im Verlaufe des vorigen Jahrhunderts zurückgebaut. Das Gleisbett aber, auf denen diese Schienen durch chinesische Arbeiterkolonnen verlegt worden waren, steht nahezu unbehelligt in der Gegend herum. Fährst du auf der Interstate 80 – zwischen Salt Lake City in Utah durch Nevada hindurch und weiter zum Donner Pass in California -, dann stolperst du schon fast über das alte Gleisbett der Union Pacific, auf dem vor nicht allzu langer Zeit die Immigranten aus dem Osten bis nach Sacramento gerattert sind. Die Interstate wurde praktisch direkt draufgestülpt – Eisenbahn-Nostalgiker hatten da wenig zu melden.

Have a Good One – Whereever You are.

4 Gedanken zu „Der Wilde Westen – The Never Ending Story

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