Was fressen eigentlich Rennpferde in Dubai?

Rennpferde in Dubai fressen am liebsten Heu aus dem Westen Kanadas. Oder zumindest glauben das die Scheichs. Und weil die Scheichs – Achtung jetzt! – Geld wie Heu haben, sieht der Transportweg um den halben Globus so aus:Wiese in Alberta abmähen – mit dem John-Deere-Traktor zum Heu-Schoberl nahe Lethbridge – mit dem Truck von Alberta nach Montana, Idaho, Utah, Arizona, Nevada, California – Verladung ins Schiff im Hafen von Los Angeles – Rüberschippern nach Dubai.

Die Herren im Scheichtum verlangen eine Transportkette, die dem Lebensmittel-Standard genügt. Also dem für uns Menschen, Foodgrade nennt sich das dann.

Kann man jetzt ausdiskutieren, tun wir aber nicht.

Du fährst seit Jahren nichts anderes als Steaks, Pommes, Rotkohl, Bananen und sogar deutsche Milka-Schokolade über den Kontinent – Foodgrade sozusagen. Warum also nicht mal den Scheichs mit leckerem Heu für ihre Rennstuten aushelfen?

 

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Shoshone [gespr. Schoschonie], Idaho – typische Railroad-Boom-Town des vorletzten Jahrhunderts. Damals mit zünftigen Schießerein, Bordellen, Saloons und Whisky, der noch einen Hauch von Schießpulver im Geschmack hatte. Heutzutage rennt hier eine Krösamaja durch die Straßen – gefühltes Alter etwa Jedi-Master Yoda – die jeden herzlich begrüßt, der ihr über den Weg läuft. Auf ihrem Shirt: ‚I Work-out Every Day.‘  Wir meinen: Good job, Granny!

Zunächst einmal holst du dir einen leeren, blitzeblank-sauberen Trailer vom Terminal. Damit hin zum Heu-Schoberl, genaugenommen zur Mutter aller Heuschoberl im Süden Albertas. Hier hat’s Heuballen soweit das Auge reicht! Das Mekka aller Zuchthengste, nicht nur in Dubai. Solltest du bisher noch nie an Heuschnupfen gelitten haben – jetzt wäre eine günstige Gelegenheit, damit anzufangen.

Der Trailer ist voll, du schließt die Türen und schiebst deine Trailerachsen ganz nach vorne.

Warum das?

Weil du nach Kalifornien fährst, und da gilt: die Länge zwischen Königszapfen deines Trailers und letzter Trailerachse darf vierzig Fuß nicht überschreiten. Das geht nur, wenn du beide Achsen deines Trailers im vorderen Viertel des möglichen Verschiebebereiches hast.

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Ich könnte schwören, es lag noch das Parfüm von Norma Jeane Baker in der Luft.

Achsen zu verschieben hört sich wild an, ist es aber nicht. Die Trailer in Nordamerika sind anders als die europäischen; sie haben einen Schlitten, auf dem die gesamte Achsgruppe vor- und zurückgleiten kann. Nicht während der Fahrt, versteht sich.

Geparkt entriegelst du diesen Schlitten, indem du die Bremse für die Trailer-Reifen anziehst. Schon kannst du nach Herzenslust deine Achsen verschieben, wenn du mit dem vorgeschnallten Truck vor- und zurückfährst. Gut, oder?

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Nee, da brennt nix. Big Sky Country Montana, kurz vor Sonnenuntergang am vergangenen Mittwoch.

Dann auf die Waage.

Wer Achsen verschiebt, verändert das Achsgewicht. Mathematik dritte Klasse – funktioniert wie eine Wippe auf dem Spielplatz. Wenn der Dicke weiter zur Mitte rutscht, geht die Wippe selbst bei dem Dünnen auf der anderen Seite irgendwann runter. Gleiches Prinzip.

Achsgewichte sind den Kontrolletis in Kanada als auch in den USA heilig. Beide Länder haben natürlich unterschiedliche höchstzulässige Achsgewichte, genauso verhält es sich mit den Lenk- und Ruhezeiten. Sonst würde es ja keinen Spaß machen und da du als Trucker in beiden Ländern spazieren fährst, musst du diese Regularien genauso beherrschen wie die Geburtstage deiner Schwiegereltern. Für Kalifornien kommt neben der einzigartigen Achs-Spannweite noch hinzu, dass du als Truck nur 55 mph fahren darfst.

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Vietnam-Memorial in Idaho. Tatsächlich war das Durchschnittsalter der US-Privates junge 19 Jahre – viele sind daher noch heute berufstätig. Zum Beispiel als meine Kollegen.

Damit ist dieser US-Staat Spitzenreiter in der Unbeliebtheitsskala bei nordamerikanischen Truckern und demzufolge lehnen viele Kollegen Touren in den Golden State prinzipiell ab. Zudem sind die Diensthabenden bei der CHP – California Highway Patrol – stolz auf ihr ‚Zero Tolerance‘-Mantra. Ich habe schon begleitende Ehefrauen vor der offiziellen Truck-Waage aussteigen und danach wieder einsteigen sehen, um die Angelegenheit auf der Truck-Waage im legalen Bereich zu halten. 200 Kilo leichter kann den Unterschied machen. Denn den Officer an der Waage interessiert nur, was auf seinem Display steht, wenn der Truck über die Plattform rollt. Der hat schon viele Wuchtbrummen nebenher spazieren und hinterher wieder einsteigen sehen …

Kommende Woche geht’s nach South Dakota und Nebraska. Das ist die Gegend, wo einst schonmal mit dem Wolf getanzt wurde. Echte Totanka-Fans gucken hier.

Have a Good One – Whereever You are.

 

 

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