Echte Geschichten mit echten Menschen in einer ganz normalen Woche

Ich also gestern beim Wendy’s in Fernley, Nevada. Wendy’s ist einer der üblichen Verdächtigen – Burger, Fritten, Cola, Kalorien soweit das Auge reicht. Lecker Menü #4 bestellt, das ist der BACONATOR-Burger, inklusive Zubehör.

Melissa an der Kasse so: ‚Medium or Large?‘

Ich so: ‚Gibt’s das auch als kleines Menü?’

‘Klar.’

‘Und warum bietest du mir nur mittel oder groß an?’

Melissa beugt sich ganz nah zu mir heran. Ein Whiff ihres Parfüms wabert zu mir rüber. Melissa ist ein  Hübsch-chen, aber das nur nebenbei. Sie flüstert: ‚Ich weiß, was du meinst. Aber wir müssen das hier so machen.‘

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Boomtown, Nevada. Wenn du spielen willst, vergiss Vegas. Gehe in die kleinen Orte, da bekommst du dein Bier und den Burger umsonst, solange du spielst.

Am Bestell-Board ist übrigens nur der Preis für das kleine Menü angezeigt. Den Preis für das von unserer Country-Schönheit Melissa angepriesene Upgrade findest du erst heraus, wenn du den Kassenbon mitsamt Baconator-Tütchen schon in der Hand hältst und dann ist dir sowieso schon alles egal. Das Teil schmeckt einfach super!

Heute früh dann irgendwo weiter östlich entlang der Interstate 80.

Käffchen holen am Truckstopp: Es gibt Morning Eye Opener, House Blend, Western Bullet oder Mountain Blast (was immer das für einer ist). Du musst heute noch fahren und entscheidest dich für den House Blend. An der Kasse wird in der Regel der Barcode deines Kaffeepotts gescannt, dazu deine Mitgliedskarte, und schon ist der Kaffee fast für umsonst. Olle Joe an der Kasse jedoch macht’s anders: Anstatt deines Potts nimmt er seinen eigenen, der neben ihm auf dem Counter steht.

Ich so: ‚I’m just wondering … why do you scan your mug and not mine?‘

Joe so: ‘Ja …  weil Viele nicht wollen, dass ich ihren Pott anfasse. Einige flippen total aus. Also scanne ich meinen eigenen Pott und alle sind happy.’

‚Meinen Pott kannst du ruhig anfassen.‘

Joe grinst, ich grinse, der Kaffee schmeckt, Joe wird an diesem Tag noch hundert Mal seinen Kaffeepott einscannen und ich werde mich zukünftig jedesmal an good old Joe erinnern, wenn wieder einmal Jemand seinen eigenen Pott einscannt.

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Frühling? Kaum zu glauben.

Walmart in Helena, Montana – später am Abend.

In Montana wird Alkohol auch beim Walmart verkauft, also gibt es einen Rotwein und ein Stück Käse dazu. Siebzehn Kassen (ja … siebzehn) – eine davon mit dem Schild: ‚Gladly help you with your Alcoholic Beverages‘.

Sehr gut, denke ich. Die kann mir mit meinem Alkoholproblem helfen. Ausserdem ist die Kasse leer. Ich lese das Namensschild an dem Overall der Kassiererin – Rosalinde – und sage: ‚So you are the only line here to check out beer and wine?‘

Rosalinde, um die Sechzig, pummelig, lächelt über ihr breites Gesicht: ‘Ich denke schon.’

‘Ich hatte das Schild über deiner Kasse gesehen und dachte mir, das ist hier genau richtig, um auszuchecken.‘

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Lovelock, Nevada. Bekannstester Insasse im ortsansässigen Knast: O.J. Simpson. 

Rosalinde ist nicht wirklich cool mit Smalltalk – vielleicht weiss sie auch nicht, dass sie die Schlucki-Kasse für heute Abend hat. Jedenfalls kommt nichts zurück, was nach einer zünftigen Unterhaltung hätte aussehen können. Schade eigentlich, ich hätte ihr auf Anfrage sogar wahrheitsgemäß mitgeteilt, wo mein Akzent herkommt. Stattdessen fragt sie mich pflichtbeflissen nach meinem Geburtsdatum, welches sie in ihre Kasse eingeben muss. Frustrierend, wenn du Jemanden beobachtest, der endlos den Bildschirm herunterscrollt, um zu deinem Geburtsjahr zu gelangen.

Mein Trucker of the Month?

Es gibt in unserer Firma einen Kollegen, dem ich unregelmäßig irgendwo in Nordamerika an Ladestellen oder Terminals begegne. Ein heiterer Kerl, immer freundlich.

Sein Beifahrer ist sein erwachsener Sohn, er ist geistig schwer behindert.

Ich ziehe den Hut vor diesem Kollegen, der sich entschlossen hat, sein Leben an der Seite seines Sohnes zu verbringen, anstatt ihn in eine Institution abzugeben. Sein Sohn plappert ständig schwerfällig vor sich hin, und das ist nur ein nach außen offensichtliches Merkmal seiner Behinderung. In so einem Truck kann man sich nicht wirklich aus dem Weg gehen, 24 Stunden am Tag hockt man aufeinander.

Solche Menschen sind die echten Helden.

Have a Good One – Whereever You are.

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