Manchmal, aber nur manchmal, hören Trucker ein kleines bisschen Ärzte gern

Letztens, irgendwo in Kanada

Eine Kreuzung, ein Stop-Schild, ein Blick nach rechts und ein Blick nach links, alles frei und los. Drei Wochen später erhältst du einen Brief der Gemeindeverwaltung mit dem entsprechenden Link zu einem Website-Video, welches deinen Stoppversuch glasklar als erbärmlich, schon fast ignorant enttarnt. Selbst dann, wenn man das Filmchen auf SloMo laufen läßt.

$470, in Worten vierhundertundsiebzig Dollar. Das tut Aua.

Das Gute: Auch Kanada hat sein Flensburg, da dein Stoppversuch aber von hinten gefilmt wurde ist nicht zu erkennnen, wer das Fahrzeug gesteuert hat und deswegen – Tschacka! – gibt es auch keine Punkte. Dennoch, für die $470 wärst du schon fast über den großen Teich und wieder zurückgekommen. Aber wer rechnet schon so. Kommt sicher einem guten Zweck zugute.

Aber was wollten wir noch gleich?

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Ach ja, heute soll es ums Autofahren gehen. Oder konkreter um die Frage: Gibt es ein Wer-sind-die-besten-Autofahrer-Ranking zwischen Deutschen, Kanadiern und US-Amerikanern? Und ja, vielleicht sollten wir dazu jemanden befragen, der gefühlte fünfundzwanzig Jahre in Deutschland und mittlerweile acht Jahre lang in Nordamerika unterwegs ist. Stop-Zeichen hin oder her.

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Montags kommen in Los Angeles immer die Italiener an. Direkt nebenan hole ich meine Bananen, die kommen aus Ecuador.

Fangen wir also an mit dem pauschalisierten Kanadier. Mit vierzehn begleitetes Fahren, mit sechzehn alleine unterwegs, ganz so wie die Großen. Der Kanadier fährt nach dem Prinzig: Ups, das war doch meine Ausfahrt!? Moment, das schaffe ich noch! Da Kanadier nur dann blinken, wenn der Blinkerhebel sich unglücklicherweise mit dem USB-Kabel vom Handy verheddert hat, gibt es den Witz mit dem Auffüllen der Blinkerflüssigkeit. Verstehste?

Da es im Kanadischen kein vernünftiges Wort für Sicherheitsabstand gibt und man durch dichtes Auffahren Platz spart – als ob wir hier nicht genug davon hätten! –, wird also entsprechend Platz gespart. Dafür wahrt man großzügig Abstand zum Vordermann, wenn man irgendwo in einer Schlange steht. An der Kasse beim Walmart zum Beispiel. Das gleicht es wieder aus und alles ist gut.

Weiter geht’s mit dem pauschalisierten Deutschen

Korrektes Verhalten auf allen Kanälen. Ja ehrlich, auch beim Autofahren. Deutsche brauchen Fahrschule, um Autofahren zu dürfen. Und das merkt man, spätestens im Vergleich zu unseren beiden anderen Dschungelcamp-Teilnehmern. Deutsche kennen die Regeln und wissen, wo die Blitzer stehen. Sie bauen die besten Autos der Welt, auf der ‘German Autobahn’ kann man alle Pferdchen unter der Haube bis zum Anschlag der Tachonadel tanzen lassen und die Deutschen überholen immer nur links. Voll korrekt. Wer Oktoberfest kann, kann auch Autofahren.

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Gestern nachmittag, 50 Meilen südlich von Las Vegas. Das lange Ding ist nicht die geplante Trump-Mauer, das ist ein Zug.

Zum Schluss die zahlenmäßig größte Gruppe: Nein, nicht die Trump-Wähler, sondern alle US-Amerikaner. Egal ob Demokrat oder Republikaner, alle fahren extrem rücksichtsvoll Auto, wahren Abstand, machen im Gegensatz zu ihrem nördlichen Nachbarn meistens das Licht an, wenn es dunkel wird und stoppen an jedem depperten Stop-Schild, sei es auch noch so unnütz. Amerikaner hinterfragen nicht die Straßenverkehrsregeln, sie befolgen sie und basta. Einen Haken hat die Sache jedoch, wenn du einem Ami den Autoschlüssel in die Hand drückst: Bei unerwarteten Situationen im Straßenverkehr, solche, die den Blutdruck in die Höhe treiben, gibt es für ihn nur eine Antwort: Erst schießen, dann fragen! Will sagen: Vollgas hilft immer, um sich aus einer misslichen Lage schnellstmöglich zu verpissen. Eine schnelle, gewagte Aktion ist immer besser, als langes Abwägen und am Ende auch noch den Schwanz einziehen. Wäre es anders, würden die Indianer heute noch durch die Prärie rennen und am Ende wären die Russen noch die ersten auf dem Mond gewesen. Eine Loose-Loose-Situation sozusagen. Geht gar nicht.

Ja, das dazu. Und manchmal höre ich tatsächlich ein kleines bisschen Ärzte gern.

Have a Good One – whereever you are.

 

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