Jam for the Bacon

Today, in a world of freedom, the proudest boast is ‘Ich bin ein Berliner.’

Hätte Kennedys Übersetzer damals an die Doppeldeutigkeit bei ‘ein Berliner’ gedacht, dann hätte der Präsident sich dagegen entschieden. Aber vielleicht blieb der Auftritt Kennedys gerade deswegen ein unvergessenes Stück Nachkriegs-Geschichte. Nicht nur für die West-Berliner.

Ein paar Jahrzehnte später war ich als Teil einer kleinen Reisegruppe in Amerika unterwegs. Eines Morgens beim Frühstück bei McDonalds fehlte die Marmelade. Ich los zum Counter, freundlich gefragt und Marmelade besorgt.

„Sag mal, die Bedienung, bei der du eben die Marmelade abgeholt hast …“ – „Ja, was ist mit der?“

„Die guckt so komisch. Immer noch.“ – „Wieso guckt die komisch?“

„Weiß nicht, was hast du denn gesagt?“ – „Dass ich Marmelade haben will.“

„Was genau hast du gesagt? In Englisch.“ – „‘Do you have some jam? It’s missing.’ – Oh, sorry. Some jam?’ – ‘Yes. Some jam for the bacon.’”

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Gestern in Jackpot, Nevada: Trucker bekommen 10% auf ihr Bierchen. So kann’s gehen!

Jam for the bacon . Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, bacon hätte was mit backen zu tun. Ich dachte, bacon wäre dieses Brötchen, was beim Frühstücks-Platter immer so unglücklich am Rand liegt.

Die Sache mit dem bacon wäre heutzutage mit ein paar Klicks durchs Internet schnell geklärt – damals gab es noch kein Internet. Auch Kennedy hatte kein Google oder Instagram. Aber der brauchte das auch nicht.

Zurück zur Neuzeit

US-Präsidenten twittern und kanadische Premierminister hätten gute Chancen beim ‚Sexiest Man Alive‘-Contest. Aber hast du schon mal einem nordamerikanischen Teenager eine schlichte Ja-Nein-Frage gestellt? Sollte besagter Teenager zustimmen, also mit Ja antworten, dann ist seine Antwort schlicht und einfach und erst einmal verwirrend.

Word.

Nicht ‚Sir! Yes, Sir!‘ wie bei all diesen hohlen, amerikanischen Ballerfilmen, auch nicht ‚Sure, what do you think?‘ wie bei sämtlichen Dumpfbacken-Movies, in denen blondierte Cheerleader-Mädels um die Wette Kaugummi kauen und bei sämtlichen männlichen Referendar-Lehrern ihrer High-School für Schnappatmung sorgen.

Im wahren Leben, im 21. Jahrhundert und außerhalb Hollywoods, wird Zustimmung ausgedrückt mit dem Einsilber ‚Word‘.

Und bitte: Den Vokal in ‚Word‘ gilt es hinten im Rachen zu formen. Es ist mehr so ein Raunen, und langgezogen darf es auch gerne sein. Vergiss das ‚O‘, was sich vorne im Mundraum, schon beinahe mit Hilfe der Lippen, bildet. Letzteres hat im nordamerikanischen Englisch nichts zu suchen.

Aber was wollten wir gleich? Ach ja, die Bedeutung der Antwort ‚word‘. Wenn man es weiß, ist es ganz einfach: ‚Word‘ heißt ‚Ja‘, oder ‚Hast Recht‘, oder ‚Ist klar‘, oder ‚Ich stimme dir zu‘. Jugendliche in ganz Nordamerika benutzen es unentwegt. Kann aber in zwei Jahren schon wieder anders sein.

Und wenn wir schon dabei sind

Doushbag: hört sich für deutsche Ohren an wie eine Tasche, die du für die Wechselklamotten zum Duschen mitnimmst. Das Wort wird in Kanada laufend benutzt, und das Schöne ist: doush spricht sich wie Duschvorhang, bloß ohne Vorhang.

Mit Duschen hat doushbag aber rein gar nichts zu tun. Ein Doushbag ist ein Idiot, ein Schwachkopf, ein Trottel, ein totaler Versager. Du musst das Wort Doushbag wie selbstverständlich lernen zu benutzen. Erst dann macht Gossiping über Leute, die gerade nicht da sind, so richtig Spaß.

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Snowbirds: Ganz Yuma, ein Ort im südlichen Arizona direkt an der mexikanischen Grenze, ist voll mit ihnen. Zumindest von November bis April treiben sich hier sämtliche kanadische Autokennzeichen rum. Und sie kommen mit ihren Fifth Wheels – diese Wohnwagen, die wie bei einem Sattelschlepper direkt auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks aufliegen – oder leisten sich eine kleine Casa mit zwei Zimmern, Bad und Küche. Und Heißlüfter für den Notfall, falls es doch mal unerwartet kalt wird.

‚Can I use your washroom?‘

So meine Frage. Kaum war sie raus, da wurde mir klar, dass ich nicht mehr in Kanada, sondern in den USA war. Und beim Nachbarn wird nicht gewashed, da wird gerested.

‚I would prefer you do your washing at home. But we have a restroom around the corner, second door on the left. If that helps …’, kam auch gleich die Antwort des freundlichen US-Amerikaners. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem letzten Buchstaben im Alphabet: Zet in Kanada, Zi bei den Amis. Wäre ZZTop also eine kanadische Rockband … Ach, lassen wir das.

fuckit sticker

Bumper-Sticker der Woche

Have a Good One – whereever you are.

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