Donald, the Duck Commander

Politik ist eine dumme Sache. Unberechenbar, ungerecht, unbeliebt. Und seit Neuestem zunehmend gefährlich. Man hat ständig das Gefühl, irgendwo auf der Welt bastelt da wieder irgendeiner an seinem Todesstern rum.

Kanada hat den Luxus, nur einen Nachbarn zu haben – kommt immer günstig für Schulkinder der siebten und achten Klassen, wenn es um Geografie geht. Ist klar, oder? Die Schulkinder in Kanada haben zudem gegenüber denen des Nachbarn einen entscheidenden Vorteil: Ihr Bildungsminister hält die Bewaffnung des Leerkörpers mit Knarren zur Verteidigung gegen Grizzlybären für nicht erforderlich. Tatsächlich haben kanadische Schulkinder gar kein Bildungsministerium, die Sache mit der Bildung ist hier reine Ländersache. Und die mit den Grizzlys auch.

Aber wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, der Donald. Derzeit beschränkt sich die Berichterstattung über den großen Bruder auf diesem Kontinent auf das, was gelegentlich im Weißen Haus, aber zumeist in Mar-A-Lago, dem Southern White House in Florida, passiert. Da bekommst du ganz schnell den Eindruck, die Nation bestehe nur noch aus einer Ein-Mann-Show mit orangen Haaren und einer slowenischen Barbie als Gimmick.

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Aber das ist nicht so.

Berufsbedingt kenne ich so gut wie jede zweite Trucker-Lounge zwischen New York, Dallas und Seattle. Da bekommst du schon so einiges mit, auch was dieses ganze Make-Amerika-Great-Again-Gerede anbelangt. Und wenn du über die vergangenen paar Monate genau zugehört hast, kommst du zu einer ernüchternden Erkenntnis:

Die haben das alle gar nicht so gemeint.

Bis zum November hin hies es überall ‚Trump-Trump-Trump‘. Dieser Mann stand für das Amerika, was die Väter der heutigen Truckfahrer zu ihrer Sturm- und Drangzeit erlebt hatten. Kein zugemixtes Bio-Diesel, schon erst recht kein Diesel-Exhaust-Fluid, um die Abgase sauber zu halten, keine Beschränkung auf fünf Minuten Leerlauf für geparkte Trucks in Kalifornien. Und keiner meckerte, wenn du mitten in der Wüste die vollgepullerte Pee-Bottle aus dem Beifahrerfenster rausgeschmissen hast oder deine gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten wenig bis gar nicht mit Ruhezeiten zu tun hatten. Schöne heile Welt.

Nach der Wahl und den ersten amtlichen, verbalen Schießübungen des neuen Commanders war damit Schluss. Kein Wort mehr vom Donald in den Trucker-Lounges der Nation. Du dachtest: Was ist los? Haben die alle nicht geglaubt, dass der es tatsächlich macht, das Rennen gegen Hillary? Will es etwa nach all der heißen Luft, die diese Präsidentenwahl produziert hat, am Ende keiner gewesen sein?

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Und dann denkst du: Ja, genauso ist es.

Pauschalisieren ist ja genauso blöd wie Mauerbauen. Jetzt muss es aber mal sein, Pauschalisieren meine ich. Nehmen wir also mal den gemeinen, pauschalisierten US-Amerikaner.

Ganz schnell stellen wir fest: Viel freundlicher und angenehmer als Melanies Ehemann. Der pauschalisierte US-Bürger interessiert sich weniger für den Chef im Weißen Haus als der pauschalisierte Deutsche für Frau Merkel. Regionalpolitik bestimmt das Leben auf einer Schweinefarm im Oklahoma-Panhandle oder in einer Strip-Bar in der Bronx ungleich mehr als das, was The Donald in seiner neuen Funktion den Tag über dekretet.

Schön und gut, sagst du. Aber was nützt uns die Einstellung des Schweinefarmers in Oklahoma oder der fünffachen Mutter ohne Krankenversicherung, die morgens um Fünf besagte Strip-Bar in der Bronx feucht durchwischt, wenn der Koffer mit den Atomcodes nunmehr neben Donalds Bett steht?

Ja, auch wieder richtig. Have a Good One, where ever you are.

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