Forty Below ‘R’ Us!

Was so viel heißt wie ‘Bei uns ist es arschkalt’. Aber das ist ja nun vorbei, der Winter2016/17 hat seine Zeit gehabt und nun wird’s wärmer. Vielleicht noch nicht offiziell, aber gefühlt oder zumindest gehofft.

Wir wohnen in der schönen Provinz Alberta und ja, es kann hier schon mal so richtig kalt werden. Forty Below – minus vierzig Grad. Wobei es egal ist, ob Celsius oder Fahrenheit. Minus Vierzig ist nördlich des 49. Breitengrades – Kanada, home of the Beaver, Celsius-Territory – genauso kalt wie südlich des 49. Breitengrades – USA, home of the Brave, Fahrenheit-Territory.

Dieser Winter aber war anders. Weniger kalt – bei uns in Spruce Grove ging es nicht unter minus 36 dieses Mal –, dafür aber mit ungewöhnlich viel Schnee. Und das über den gesamten Kontinent verteilt. Sogar in Vancouver direkt an der Pazifikküste hatte es diesen Winter geschneit und die wissen nun gar nicht, was das soll. Die kennen Regen, sowie die Hamburger, aber Schnee ist für die wie das Ding aus einer anderen Welt.

Viele erliegen dem Irrglauben: Je kälter, desto Schnee. Frag‘ einen Wetterfrosch vom Wetterdienst und der wird dir sagen: Totaler Quatsch. Schnee kommt zwischen Null und minus Zehn Grad vielleicht, aber darunter traut der sich nicht mehr aus der Wolkendecke raus. Wenn es richtig knackig kalt wird – minus fünfzehn und tiefer -, dann ist zudem der Himmel immer blau. Wo nix ist, kann auch nix rausfallen. Schneeflocken-technisch gesehen.

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‚Boah, ist das kalt!‘

Ja, minus Vierzig ist kalt, das kann man nicht wegdiskutieren. Hast du einen Hund? Wir schon, Herald heißt er. Ein niedlicher Kerl, ein Golden Doodle. Der stellt sich morgens nach dem Frühstück an die Tür zum Garten, guckt durchs Fenster und macht diese Geräusche. Hundeleute wissen, wovon ich rede. Er will raus, die Blase drückt. Machst du dann die Tür auf und es ist draußen unter minus Zwanzig oder so, nimmt er eine Prise Frischluft und … nix drückt mehr. Viel zu kalt, um den Schniedel gegen den Wind zu halten oder gar Geschäftliches zu erledigen. Herald dreht sich um und verschwindet wieder vor dem Kamin.

Ich denke manchmal, so ein Hund mit seinen paar Synapsen im Hirn vergisst über Nacht ganz schnell, welche Jahreszeit gerade ist. Der weiß das morgens einfach nicht mehr. So ein Hund rollt sich abends auf seiner Decke ein, das ein oder andere Bild einer Winterlandschaft zuckt vielleicht noch durch sein Kurzzeitgedächtnis, und kurze Zeit später schon übernehmen archaische Instinkte seinen Denkapparat, überfluten ihn regelrecht mit Jagd-, Fress- und – seien wir ehrlich! – Szenen von der schönsten Nebensache der Welt. After all, a dog is just a dog, right? Wobei die Kastrierten unter ihnen sich vielleicht eher aufs Fressen und Jagen versteifen, weil es sonst nichts mehr zum Versteifen gibt. Sorry, hatte gerade so schön gepasst.

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Aber wo waren wir gleich? Ja, der kalte kanadische Winter, der nun hoffentlich bald vorüber ist. Man muss sich das so vorstellen: Du packst dich ein wie verrückt, Fausthandschuhe anstatt Fingerhandschuhe, Skihose über der Jeans, fette Mütze, Gesicht eingewickelt, nur noch die Augen gucken raus. Du gehst raus, alles ist gut, die Luft so klar wie irgendein österreichischer Bergsee in irgendeinem Sissi-Film. Und dann … musst du zwinkern. Ja, zwinkern! Die Wimpern kleben zusammen und du denkst beim Augenaufschlag, dass du dir die Biester dabei ausreißt.

Wie kann das sein? Was ist passiert? Wissen macht Ah!, die Sendung mit Shary und Ralph im Kinderkanal, würde das so erklären: Die kleinen Feuchtigkeitspartikel, die ständig deine Augen umschwirren, gefrieren bei sehr tiefen Temperaturen auf deinen Wimpernhärchen. Wenn nun die Wimpern des Augenlides mit denen von der Augenunterseite zusammenkommen – Schmack!  Eisklotz vor dem Auge, mittendrin die Wimpern, die von oben und die von unten. Irgendwie kriegst du die Augen wieder auf, weil deine Körpertemperatur nur ein Anfrieren aber kein totales Zufrieren zulässt, aber du merkst, dass da was gegenhält, wenn du die die Augen wieder öffnest. Schon irgendwie grenzwertig, oder?

Have a Good One. Oder wie wir hier in Kanada auch gerne sagen: Stay Warm!

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